... und so auch dieser. Ein guter Anfang ist die halbe Arbeit. Die Schwierigkeit des Anfangens finden wir nicht nur bei Ovid, sondern auch bei Hegel, Heidegger, Husserl, bei der Arbeit, wenn es um die Dinge geht, die wir nicht gerne tun oder vor denen wir uns fürchten, Zuhause, unterwegs. Wir finden sie bei der Vorbereitung von Unterrichtsstunden, beim Korrigieren der Klassenarbeiten, beim Schreiben dieser Klassenarbeiten oder Hausaufgaben, beim Formulieren von Hausarbeiten oder Essays, beim Aufschlagen von Büchern und manchmal auch morgens beim Aufstehen. Die Schwierigkeit des Anfangens kennt ein Jeder, die Schwierigkeit des Anfangens findet sich überall und zu jeder Zeit. Es gibt die Last des Anfangens, die Angst vor dem Anfangen, Nichtanfangenkönnen, aber Anfangenmüssen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, einen Knopf zum Anhalten oder pausieren, Steckenbleiben in Anfängen und die Muße, nicht heute alles besorgen zu müssen, sondern erst morgen. Man sagt im Anfang läge ein Zauber, eine Befreiung und der Mut zu neuen Dingen. In der Realität aber ist es der innere Schweinehund, den es zu überlisten, die Schreibhemmung, die es zu überwinden gilt, die Überlistung des Selbst zum Versuch. Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen...

Aber was ist eigentlich das Problem der Anfangsschwierigkeit? Was bedeutet Anfangen? Ist jeder Anfang eine Richtung, die zu einem Zweck oder einem Ziel führt? Was, wenn ich gar nicht diesen Weg gehen möchte, oder gar nicht weiß, wohin dieser Weg führen soll? Sind Anfänge immer absolut und müssen sie existentiell sein? Muss Anfangen immer neu sein oder ist der Neuanfang eine rhetorische Tretmühle? Ist jeder Anfang auch ein Ende?

Aus Nichts entsteht nichts, das haben zumindest die Griechen geglaubt. creatio ex nihilo klingt nicht nur bedrohlich, sondern fühlt sich auch genauso an. Tolstoi war der Meinung, dass im Herzen eines Menschen der Anfang und das Ende aller Dinge ruht. In Lettland meint man hingegen, wer nie einen schlechten Anfang gemacht hat, wird nie einen guten machen. Wie man es dreht und wendet und sich vor dem Anfangen drückt, etliche Zitate und Aphorismen zum Anfangen recherchiert, um dann doch noch den einen oder anderen Artikel oder Beitrag liest, die Meinungen zum Anfangen gehen auseinander. Die Quintessenz dessen jedoch bleibt: Aller Anfang ist und bleibt also schwer, doch ohne ihn kein Ende wär. Warum also nicht den ersten Schritt tun – und anfangen, um das Anfangen endlich zu beenden.


Vianney Lancres

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